10-08-2004

Was grade in Arbeit ist: Zimmertüren
(ZIMMERtüren), mit Holzbändern, ganz anders. Und ein Arbeitstext, begonnen vor längerem schon, hier:

Auf der Suche nach einer sinnenfälligen Kunstruktion-
Der Zusammenhang zwischen Gestalt und Technik
(Angeln/Bänder, Anschlagsart, Drückerbewegung, etc.).


Historisch, nicht systhematisch, möchte ich erzählen von der Entwicklung meiner Arbeit mit diesem Thema.
Am Anfang steht mein erstes plastisches Wirklichkeitserlebnis überhaupt:
An der Alanus-Hochschule gab es eine Tür, von einem Bildhauerdozenten mit der dortigen Schreinerei hergestellt, die für das Anschauen Allen schön war: Konische Rahmenhölzer, Oberbogen, Glasfüllungen also unrechteckig und plastisch geformte Handknäufe. Von einer Seite stieß ich immer an; und beobachtete, daß es den meisten so ging. Man wollte schieben, mußte aber ziehen. Warum war das da nicht zu lernen? Dann begriff ich den Fehler: Beide Hand"ohren" waren konkav gebildet und luden also von beiden Seiten zum Aufstoßen ein. Von da an wußte ich erstens, daß es bei dienender Plastik ein "Richtig und Falsch" gibt, und zweitens war das Thema Tür gestellt als Frage nach der Verschiedenheit von Innen und Außen.

Im Aufbaustudium an der Bildhauerschule Wolfgang Zimmers, Bremen, wurden Innenraummodelle gearbeitet. Aber bei den vorkommenden Türen ging es um plastische Formgebung des Obenunten, des Durchgehens, des Wandöffnens. Mein Thema einer Dynamik, die eindeutig erleben läßt, in welche Richtung das Türblatt schwingt, kam da nicht so vor. Foto folgt.

Im Dresdner Baumethodenseminar scheiterte ein Vollholzversuch zum Thema Tür und Rahmen. Aber das Material STEINHOLZ wurde entdeckt, als teigähnlich plastizierbare, chemisch mit Holz und allen organischen Stoffen bindende Masse! -Man könnte mit diesem Magnesiazement eine Art ORGANISCHEN BETON herstellen, in dem der Stahl durch Weidenruten, Bambus, etc. ersetzt ist. Es war gedacht, Altbautüren plastisch aufzuarbeiten. Bei Nutzung vorhandener Bänder wäre freilich kein großes Mehrgewicht möglich und auch die Umrißgestalt nur begrenzt frei verformbar. Die Versuche waren jedoch sehr viel versprechend (Haltbarer Auftrag von 0 bis 7cm! Das Türblatt auf zwei Balken gelegt - man konnte darauf herumspringen, ohne das es Risse gab!). Leider kam es nicht zu Ausführungen.

Beim plastischen Ausbau des Schweriner Waldorfkindergartens endlich wurde ein großer Schritt getan. Die innere Leibung ist in Putz gearbeitet, ihre Form teils fließend aus der Wand geholt, teil abgesetzt. Sie macht im wesentlichen die Durchgehrichtung und die Öffnungsseite erlebbar. Das Blatt ist vom plastischen Umriß abgenommen, sonst aber geblieben plane Membrane. Eine Tischlerplatte wurde vor die Öffnung gehalten, deren nachgezeichnete Form ausgeschnitten gab das Blatt, der Plattenrest wurde mit einer Anschlagleiste versehen angeschraubt außen auf die Wand. Der äußere Rahmen wurde dann mit Steinholz angeputzt, mit verschiedenen Kellen vorgeformt und ausgehärtet mit Raspeln, Schnitzeisen und dem Bandschleifer bearbeitet.
Ein wichtiges Thema wurden uns die Beschläge. Es drückte und zog uns, daß ja ganz unterschiedlich belastet werden das obere und das untere Band. So wurden polar verschiedene Angeln geschmiedet, erlebbar sollte werden, wie das untere Eisen Druck übend stützt, das obere hingegen gezogen wird und ziehen muss. Die Technik der Beschläge ist allerdings ganz konventionell. Dafür gibt es ein wunderbares Erlebnis vom Stand der Tür. Das Blatt, -vor allem in geöffnetem Zustand fiel vielen Betrachtern das schon auf-, scheint nicht zu hängen, es steht in der Luft; die dynamische Form, vor allem aber der hintuntere Impuls bewirkt das. Dieses Erlebnis schuf den Wunsch, eine Tür, ein Tor wirklich aufruhen zu lassen auf dem Ecksteinmotiv, dem Pendant zum unthinteren Impuls. Offen blieb die Frage nach der oberen Zug-aufhängung.
Eine Schrankvertürung löste das Problem dann. Hier gibt es zwei bereits technisch verschiedene Bänder. die konstruktiv Zug- und Druckbelastung sinnfällig machen. Gleich, ob diese Art geometrisch-architektonisch ausgeführt wird oder eben mehr plastisch; unten ist "Stuhl", da sitzt die Tür auf, oben greift die Leibung in die Fläche des Blattes - und schon das hat zugkräftige Gebärde:

Nun kommt grade der Anschlag hinzu, bei der Zimmertür. Da die Drehachse bei dieser Scharniertechnik quasi durchs Blatt geht, schlägt ein kleiner Teil der Tür nach innen auf: an der angeschlagenen Seite schlägt das Blatt also hinter, drückerseitig nur schlägt die Tür wie gewöhnlich auf. So wird auch mit der Anschlagsart sinnenfällig, wo und wie sich die Tür öffnen kann.Offen bleibt für diesmal noch die Frage nach sinniger Drückertechnik. Ich möchte weg von der Hindurchfallöffnungsgebärde, hätte gern eine der alten "Wolfsklaue" gleich offenbare Festgreif- statt Einschnappvorrichtung, möchte lieber sie einfach in Holz selbst bewältigen können, als einen Schlosser suchen zu müssen.

Wer weiß was, wer weiß wie?