Skript zum Vortrag „Himmelsphänomene von Pol zu Äquator“, am besten im Planetarium!
Global denken!“ – Eine astronomische Reise um den Globus, vom Pol zum Äquator und zurück. Werden Sie ganzer Erdenbürger, erkennen Sie den Sternenhimmel von jedem Punkt des Globus aus. Und sehen Sie die damit verbundenen meteorologischen und astrologischen Phänomene. "Denke den Globus".
("Ick globe, ick denke!")

 

Nordpol:

  • Fixsternhimmel:
    Hier ist immer der gleiche. Der Nordstern im Zenit, der Himmelsäquator ist gleich dem Horizont. Eine immer gleiche Himmelshälfte ist sichtbar, alle überhaupt sichtbaren Sterne sind sogenannte Zirkumpolarsterne. Sie drehen sich alle 23 Stunden, 56 Minuten und 4,099 Sekunden einmal herum – Ein siderischer Tag! – Nicht etwa in 24 Stunden vollzieht sich eine Drehung, hier wird es sichtbar. In einem Normaljahr zu 365 Tagen sind es 366 Umdrehungen.
    (Zwar in ca. 25.700 Jahren dreht sich die Achse, wird je auf zwei andere Orte des Himmels weisen! Die Präzession sorgt dafür:
    1. Bild der nördlichen Präzession - bei Wikimedia)
  • Himmelsrichtungen / Sphärische Astronomie:
    Interessanterweise gibt es nur eine Himmelsrichtung – überall geht es nach Süden! Knapp neben dem Pol zwar kann man noch "nach Norden" gehen, mag das auch angesichts des Nordsterns fast im Zenit bereits fragwürdig scheinen: ist Norden hier nicht eigentlich oben? Kippt die sogenannte „Himmelsrichtung“ hier wirklich in den Himmel hinauf?
    Einen Meridian kann man nicht bestimmen, auch einen ersten Vertikal findet man nicht.
  • Sonne:
    Der Sonne Beleuchtung erscheint wie ein Tag, das Jahr ist wie ein extrem lang gedehnter Tag: Ein viertel Jahr steigt die Sonne langsam auf zu einer niedrigen Kulmination, ein viertel Jahr ist langsamer Abstieg, nach einem mathematisch anderthalb Tage dauernder Untergang folgt ein halbes Jahr Nacht – mit extrem langen Dämmerungen an Anfang und Ende.
    Der Sonne Lauf ist eine Spirale mit einer Drehung pro knapp 24 Stunden, je auf (fast) gleicher Höhe kreisend.
  • Ekliptik:
    Halb ist sie sichtbar, halb unsichtbar, ihre südliche Hälfte immer unterhalb des Horizontes, nie zu sehen. Als schräger Halbring dreht sie sich - 23,44° geneigt zum Himmelsäquator.
    • Gäbe es keine Neigung, so liefe die Sonne permanent um den Horizont, halb drüber, halb drunter. Jahreszeitliche Schwankungen wären unbekannt.
    • Wäre die Neigung 90°, stiege die Sonne sommers spiralig bis zum Zenit! (Und winters sänke sie bis zum Nadir.) In Folge gäbe es extrem heiße Sommer an den Polen, ob die Winter kälter wären?
  • Astrologische Häuser:
    Aszendent ist permanent der Frühlingspunkt der Sonne, Deszendent entsprechend, der Sonne Sommerpunkt steht immerwährend im Medium Coeli… Alle je am Pol Geborenen haben eine gleiche Stellung der Häuser im Horoskop. (Zwar siderisch ändern sich die Tierkreisbilder in ihnen, sehr langsam durch die Präzession, s.o.)
  • Planeten:
    Der Mond zeigt einen Auf- und Abstieg wie die Sonne, nur nicht in einem Jahr, sondern in einem siderischen Monat. Je ein halber Lauf zu 13,66 Tagen ist sichtbar, gut 13 Gänge gibt es pro Jahr.
    Die Planeten gehen genauso, nur langsamer: Saturn verbringt die Hälfte von ca. 30 Jahren unterm Horizont!
    • Vom Nordpol aus gesehen ging z.B. Saturn als langsamer Läufer im Herbst 2010 unter, wandert nun vor dem südlichen Teil der Ekliptik, tummelt sich also seitdem in den vom Nordpol aus ewig unsichtbaren südlichen Tierkreisbildern. Er wird erst im Frühjahr 2026 wieder aufgehen (und übern Sommer von der Sonne überstrahlt unsichtbar bleiben!). Manch Sechzehnjähriger Polbewohner hat ihn dann noch nie gesehen;-)
    • Jupiter verschwand von dort gesehen im Oktober 2016 unter den Horizont und wird 2022 im Oktober wiederum erst nach 6 Jahren wieder aufgehen.
    • Auf andere Art ist auch die Sichtbarkeit der sonnennahen Planeten sehr eingeschränkt – Merkur ist als sonnennächster Planet höchstens 28° von ihr entfernt und so eh nur in der Dämmerung mit bloßem Auge zu erkennen, da muss also sein maximaler Abstand zur Sonne mit den nur zwei zwar langen Dämmerungszeiten zusammenfallen.

Probehalber kann man sich hier auf die Seite legen – schon hat man die Situation am Äquator! Und kann bemerken, wie man am Pol quasi auf einem Auge blind, nur eine Hirnhälfte aktiv ist…


Äquator:

  • Fixsternhimmel:
    Hier ist der ganze sichtbar, zwar natürlich immer nur die Hälfte. Der Nordstern ruht im Norden auf dem Horizont, ein Südstern täte das gleiche im Süden;-) Der Himmelsäquator steht genau senkrecht auf dem Horizont, erhebt sich genau von Ost durch den Zenit nach West.
  • Himmelsrichtungen / Sphärische Astronomie:
    Geographisch sind alle Himmelsrichtung leicht durch Sternstellung definiert, Norden und Süden sind die Angelpunkte des drehenden Himmels, Ost und West sind von der Achsenneigung abgesehen die genauen Auf- und Untergangsorte von Sonne, Mond und allen Planeten.
    Der Nordpunkt auf dem Horizont ist mit dem nördlichen Himmelspol identisch, für den Süden gilt das entsprechend. Der erste oder Ost-West-Vertikal ist identisch mit dem Himmelsäquator.
  • Sonne:
    Im nördlichen Sommer zieht die Sonne 23° nördlich des Himmelsäquators ihre Bahn, mittwinters 23° südlich – zwei Tiefststellungen = „Winter“. Auch Höchststellungen gibt es zwei, sie werden erreicht an den Tagundnachtgleichen, dann steht die Sonne auf dem Himmelsäquator, an dessen Schnittpunkten mit der Ekliptik.
    Jahreszeitenunterschiede gibt es kaum. Alle Tage sind gleich lang, fast. Die Unterschiede in der Tageslänge durch die Jahreszeiten, durch Tiefst- oder Höchststellungen sind gering: +-15' – die Abweichung der Sonnenuhr von der mechanischen Uhr durch die Zeitgleichung ist zu manchen Zeiten größer!
  • Ekliptik:
    Sie „eiert“, läuft als Großkreis schweifend mal von Ost über 23° Nord bis West, mal auch von 23° Südost über den Zenit nach 23° Nordwest… Nie verbindet sie Ost über den Zenit mit West.
    • Gäbe es keine Neigung der Erdachse, so liefe die Sonne genau von Ost durch den Zenit nach West, jeden Tag gleich. Jahreszeitliche Schwankungen wären unbekannt.
    • Wäre die Neigung 90°, so sänken die Sonnenwenden je bis auf den Horizont! In Folge gäbe es sehr kalte Zwischenwinter, ob die Sommer wärmer wären?
      Der Äquator wäre damit gleichzeitig auch doppelter Polarkreis, an allen anderen Orten der Erde gäbe es mehr oder weniger lange Polarnächte und -tage.
  • Astrologische Häuser:
    Alle Tierkreiszeichen wie auch verschoben die Tierkreisbilder durchlaufen ganz gleichmäßig die Positionen Aszendent (Aufsteigend), Medium Coeli (Himmelsmitte), Deszendent (Absteigend), Imum coeli (Himmelstiefe).
  • Planeten:
    Der Sonne nordsüdliches Hin und Herschweifen macht der Mond in je einem (siderischen) Monat durch. Wie immer und überall steht der Neumond nah dem Sonnenort, der Vollmond gerade gegenüber… Der Saturn entsprechend braucht seine ca. 30 Jahre dafür, treibt sich 15 Jahre auf der südlichen Himmelshälfte herum, dann genauso lange auf der nördlichen.
  • Meteorologie:
    Gewitter gibt es fast jeden (Mitt-)Tag! Zwar hauptsächlich überm Festland, mit Abstand am häufigsten über Zentralfrika:
    1. Gewitterhäufigkeit: Globale Blitzverteilung - bei Wikipedia
    2. Globale Blitzverteilung - bei eoimages.gsfc.nasa.gov
    3. Globale Blitzverteilung - vom NASA Earth Observatory
    4. Google-map dazu von Zentralfrika
  • Geologie:
    Wasser und Kontinente in gutem Wechsel, drei Kontinente entfalten ihre Breite.)

 

Halben Wegs vom Äquator zum nördlichen Wendekreis:
Die zwei Tage im Zenit – zu den Äquinoktien – nähern sich einander und der Sommersonnenwende – alle paar Kilometer weiter wird die eine Spanne zwischen erstem Höchststand und zweitem größer, die andere kleiner, verbringt die Sonne weniger Tage auf der nördlichen Himmelshälfte. Der Sonne nördliche Standtiefe zur Sommersonnenwende verringert sich und der eine Zwischenwinter wird kürzer (in unserem Hochsommer).

 

Nördlicher Wendekreis:

  • Fixsternhimmel:
    Sehr weitgehend, bis auf den der Achsneigung entsprechenden südlichen Sichtkegel, ist der Fisternhimmel erfahrbar. Der Polarstern steht 23° überm Horizont, der Himmelsäquator geht um dieselbe Achsneigung südlich neben dem Zenit über den Himmel.
  • Sonne:
    Sie erreicht zur Sommersonnenwende genau einmal den Zenit, steht sonst eindeutig unterhalb im Süden. Die beiden Höchstpunkte (von Süden kommend) sind im Tag der Sommersonnenwende zusammengewachsen, der eine äquatoriale Zwischenwinter ist weg.
    Alle Tage sind zwar noch ähnlich lang, die jahreszeitlichen Unterschiede sind mit knapp 3h (2*1,5h) deutlich größer als am Äquator.
  • Ekliptik / Himmelsrichtungen / Sphärische Astronomie:
    D
    ie Ekliptik steht einmal am Tag senkrecht, verbindet dann Ost mit West genau über den Zenit.
    • Geographisch steht sie dann immer genau gleich, ihre vier Sonnenjahrespunkte finden sich immer an den gleichen Orten auf dem „ersten“ oder „Ost-West-Vertikal“:
      • Zenit = Sommersolstitium
      • Nadir = Wintersonnenwende
      • O = Herbsttagundnachtgleiche
      • W = Frühlingsäquinoktium.
    • Zeitlich geschieht die Senkrechtstellung der Ekliptik entsprechend:
      • Zur Frühlingstagundnachtgleiche – bei Sonnenuntergang,
      • Im Sommer zur Sonnenwende – mittags,
      • zum Herbstäquinoktium – bei Sonnenaufgang,
      • Zum Wintersolstitium – mitternächtlich.
  • Meteorologie:
    Wirbelstürme, nur über den Ozeanen, nördlich des Äquators deutlich mehr:
    1. Die Verlaufsbahnen der tropischen Wirbelstürme von 1985 bis 2005
  • Geologie:
    Mit Suez- und Panamakanal ein Wassergürtel.

 

Mitte, in drei Arten:

  • Halben Wegs vom Wende- zum Polarkreis, 45° nördlicher Breite:
    • Sonne:
      Hier dauert der Mittsommertag mathematisch gut 15,5h, ist der Mittwintertag mathematisch nur 8,5h kurz. Die Abweichungen der sommerlichsten oder winterlichsten Auf-/Untergangsorte vom genauen Osten oder Westen nach Nord oder Süd beträgt ca. ±34°.
    1. Z.B. nahe Puynormand 33660 Frankreich
  • Als Orte, an denen die größte Abweichung der Sonnenauf- und untergänge ca. ±45°beträgt
    - z.B. in Glencoe, Scotland oder in Aalborg, Dänemark:
    • Sonne:
      Etwa dort geht die Mittsommersonne genau im Nordosten auf und die Mittwintersonne im Südosten, überstreichen die Aufgänge im Lauf des Jahres ein genaues Viertel des Horizontes.
  • Als Orte, an denen der Mittsommertag mathematisch genau 18h, der Mittwintertag mathematisch nur 6h kurz ist
    - z.B. in Linköping, Schweden.
  • Meteorologie:
    Regenbögen, in gemäßigten Breiten und Dämmerungsnah am häufigsten:
    1. Vorkommen von Regenbogen - bei Wikipedia

 

Nordpolarkreis:

  • Fixsternhimmel:
    Er erscheint in seiner Achse leicht schräg, d.h. der Polarstern nicht im Zenit und der Himmelsäquator geneigt zum Horizont. Ein wenig Südhimmel schwappt über den Horizont, gerade so weit, wie die Sonne vom Himmelsäquator abweicht, gerade bis zum südlichsten Punkt ihrer Bahn. Der Kreis der Zirkumpolarsterne berührt die Ekliptik an ihrem nördlichen Punkt.
  • Sonne:
    Für den einen Tag der Sommersonnenwende geht die Sonne nicht unter (im Norden), für den einen der Wintersonnenwende nicht auf (im Süden). Dazwischen verteilen sich die Aufgangsorte gleichmäßig von Nord über Ost bis Süd, die Untergangsorte von Nord über West bis Süd – zusammen verteilen sie sich um den ganzen Horizont. (Da die Sonne ca. 0,5° groß erscheint bilden die 2*365 Sonnen auf 360° zusammengeschaut eine vollständige „Perlenkette“!)
    Das Jahr hat sehr unterschiedlich lange Tage, es reicht vom Voll-Tag bis zur Ganz-Nacht!
    • Die mathematische Zu- und dann wieder Abnahme der Tageslänge geht genauso stetig, je knapp 4 Minuten Änderung gibt es von Tag zu Tag: der Unterschied zwischen siderischem und tropischem Tag wird auch hier sichtbar.
  • Ekliptik / Himmelsrichtungen / Sphärische Astronomie / Astrologische Häuser:
    Die Ekliptik ist gerade eben ganz erfahrbar, ihr südlichster Punkt berührt einmal am Tag von unten den Horizont. Einmal am Tag ist sie mit dem Horizont identisch, von Mittwinter bis Mittsommer bei Sonnenaufgang, in der zweiten Jahreshälfte mit Sonnenuntergang.
    • Geographisch steht sie dann immer genau gleich – ihre vier Sonnenjahrespunkte finden sich genau in der Windrose:
      • O = Frühlingsäquinoktium
      • W = Herbsttagundnachtgleiche
      • N = Wintersonnenwende
      • S = Sommersolstitium
  • Astrologische Häuser:
    Astrologisch sind zu diesem Zeitpunkt alle Tierkreiszeichen gleichzeitig sowohl Aszendent als auch Deszendent und Medium- wie Imum Coeli! Sogar der südlich tiefststehende Winterwendepunkt steht dann gemeinsam „am höchsten“. Nicht einfach für die im Zeitpunkt Geborenen…
    Ansonsten durchwandern den MC hier in 24 Stunden je langsam die nördlichen Tierkreiszeichen, vom Frühlingspunkt bis zum Sommersonnenwendepunkt, dann weiter bis zum Herbstpunkt, dieser erreicht den MC immer, wenn die Ekliptik horizontal und mit dem Horizont identisch ist. Dann durcheilt die südliche Ekliptikhälfte ihn in Sekundenschnelle…
      • (Halben Wegs zwischen Pol und Polarkreis schwanken durch den MC derzeit gerade mal die Ekliptikorte zwischen Plejaden und Krebs, dicht um den Sommerwendepunkt herum. Ein Teil der südlichen Tierkreiszeichen geht nie auf, kann also weder Aszendent noch Deszendent werden. Je näher dem Nordpol, umso größer wird der nie sichtbare Teil der Ekliptik, umso kleiner werden jene Teile, die abwechselnd auf- und untergehen.)
      • (Nur ein Grad südlich des Nordpolarkreises wechselt der MC mathematisch nicht mehr in „Sekundenschnelle“ vom Herbst- zum Frühlingspunkt, sondern eilt innerhalb weniger Minuten durch die Südhälfte der Ekliptik, verbringen auch die südlichen Ekliptikpunkte nennenswerte Zeitabschnitte oberhalb des Horizontes.
  • Planeten:
    Nur insofern Mond und Planeten von der Sonnenbahn abweichen, sogenannte Knoten haben, teils über teils unter der Ekliptik ihre Bahn ziehen, sind südlich davon sie zwischen absteigendem und aufsteigendem Knoten unsichtbar.

Probehalber auf die Seite gelegt – bekommt man einen teilblinden Nachgeschmack auf die Situation am Wendekreis!



Südpolarkreis:


Südpol:

  • Geologie:
    Festland, zwar überfroren.

 

Zusammenfassung / Fazit:

  • Die astronomischen Perspektiven und Eigenschaften sind auf beiden Polen gleich, je polar zu denen am Äquator. Oder die an den Polarkreisen polar zu denen an den Wendekreisen.
    Die astronomischen Inhalte sind natürlich anders, je ganz andere Sterne und Bilder sind südlich oder nördlich sichtbar.
  • Ganz unterschiedlich sind Süden und Norden in Bezug auf Meteorologie und Geographie wie Geologie.
    Dazu gibt es sprechende Karten, sie liefern als Animation jeweils eine Visualisierung der jahreszeitlichen Veränderungen von z.B. Wolkendichte, Wassertemperatur, Planktondichte etc. pp:
    1. Globale Karten - bei eoimages.gsfc.nasa.gov

Stellen wir uns gedanklich auf einen Pol der Erde, dreht sich eine Himmelshalbkugel über uns um den Zenitpunkt, immer die gleiche, ohne Veränderung. Abgesehen von der Neigung der Erdachse laufen alle "Veränderlichen", Sonne, Mond und alle Planeten immer am Horizont herum, auf „Du und Du“, uns gegenüber - immer gleich (halb-)sichtbar (wenn nicht ein Eisbär oder –berg den Blick grad hinderte). Ein ewig gleicher Himmel, nur die Geschwindigkeiten der Planeten differieren. Himmelsrichtungen? - gibt es nur eine. Alles ist auf den Punkt gebracht, an ihm festgemacht. Ziemlich langweilig wird mir da...
Zum Glück gibt es die Neigung der Achse, so wird die andere Himmelshalbkugel erahnbar, denn alle Planeten verschwinden in dieser je halbzeitlich unter den Horizont, schrauben sonst langsam, langsam sich hoch - nicht sehr hoch und wieder herunter. Ein reiner "Polarianer" wäre ein allseitig gebildeter kühler Kopf, Augen rundum. (Mindestens vielleicht ein viergesichtiger Svantevit?). Er weiß immer alles und ewig. Aber nur die eine Hälfte!

Laufen wir innerlich um den Äquator, ist alles anders, "polar". Die ganze Himmelskugel ist erlebbar, rollt um uns herum. Kein Fixpunkt im Zenit, sondern zwei Drehpunkte am Horizont: der „Nord-“ und der „Süd-Stern“ (meist hinter den Dschungelbäumen oder Sanddünen versteckt). Dann Ost und West als Auf- und Untergangsorte für Sonne, Mond und Planeten. Alle Himmelskörper gehen im 24-Stundentakt tagtäglich auf, rollen über uns hinweg und gehen unter, jeder Tag ist gleich lang. Nur kurz, für Minuten, passieren alle das „Du und Du“–Gegenüber, ziehen sonst hoch übern Schädel. Mir wird schwindelig!!!
Der Achsenneigung wegen ziehen sie mal nordwärts geneigt darüber, mal südwärts, beidseits gibt es (Sonnen-)tiefststände und also „Winter“, zweimal ziehen sie grad durch den Zenit, als Höchststand und also Sommer? Der reine Äquatorianer wäre vielleicht wie ein Escher´sches Krempeltierchen, ein sechsbeiniger Gliederwurm, der sich zusammenrollt und dann wie ein Rad bewegt, Ohren in der Achse. Immer in heißer Bewegung!

Die Erde ist ein Doppelmensch, mit zwei Polköpfen und in eins verschlungenem Stoffwechseläquator und Gliedmaßengürtel. Die Nordhälfte ist Wasser, Erde, Wasser und die Südhälfte andersherum organisiert, welche ist weiblich?

 

Wasser - Land Verteilung
%-Verteilung Land-Wasser

Die beiden Erdhälften

Vor einigen hundert Jahren wurden die Südkaps umrundet, erst Afrikas Kap der guten Hoffnung, dann Kap Hoorn von Südamerika. Später auch Kap Otway von Australien.
Auf welcher Breite würden Sie diese südlichsten Punkte gespiegelt an der europäischen Nordhalbkugel vermuten? Welche entsprechenden Orte hätten die Schiffer hier sozusagen umrunden müssen? Die Alpen? Dänemark bei Skagen? Schottlands Nordspitze Dunnet Head? Skandinaviens Nordkap?...

  • Südafrikas südlichste Stadt Cape Agulhas liegt mit knapp 35°auf der Breite von nördlich Sfax in Tunesien oder der von Tripoli im Libanon!
    (Oder Los Angeles in Nordamerika. Oder ~Tokio in Japan)
    (Der ganze Kontinent Afrika reicht also weiter nach Norden als nach Süden, ist auch von seiner Ausdehnung her ein nordlastiger Kontinent, nicht nur durch seine ungleiche Flächenverteilung!)
  • In Australien liegt Cape Otway mit knapp 39° etwas näher am Äquator als der nördlichste Punkt Tunesiens/Afrikas Ras Angela (knapp 37°), etwa gleich weit entfernt ist z.B. Lissabon oder Capo Rizutto an Italiens Stiefelballen oder Lamia in Griechenland oder Izmir in der Türkei.
    (Oder Philadelphia in Nordamerika. Beijing liegt knapp weiter weg.)
  • Cabo de Hornos bei ca. 55° an der Südspitze von Feuerland in Südamerika wenigstens führt europäisch gesehen in normale Breiten, das entspricht der deutsche Nordgrenze bei Flensburg.
    (Oder Hopedale in Kanada, Neufundland & Labrador. Kljutschi auf der Halbinsel Kamtschatka liegt bei 56° etwas nördlicher.)

Sämtliche europäisch wie asiatisch oder amerikanisch weiter nördlich gelegenen Landmassen haben auf der Südhalbkugel keine Entsprechung!

  • Antarktika, der antarktische Kontinent reicht gegenüber von Feuerland bis zu 63,3° nach Norden - das entspricht in Europa der Breite knapp südlich von Trondheim in Norwegen - da, wo es beim ersten Viertel seiner Süd-Nord-Ausdehnung schmal wird - oder Vaasa in Finnland. Oder dem Südende von Island. Im Mittel liegt die Küste etwa bei 70°, also etwa auf der Breite des norwegischen Nordkap.
    1. Antarktika, Karte bei Wikipedia

Die südliche Polkälte reicht weit nach Norden, mit unter 2° Celsius kaltem Wasser bis an die Grenze des südlichen Meeres: Diese, Konvergenzlinie genannt, liegt im Mittel bei 50 Breitengraden - die entsprechende Breite der Nordhalbkugel führt gerade südlich von England mitten durch Europa: das wäre kein Badevergnügen!

  1. Karte der Antarktische Konvergenz bei Wikipedia
  2. Antarktische Konvergenz bei Wikipedia
  3. Die maximale Vereisung 2012 im Vergleich mit der mittleren

Eine direkte Entsprechung gibt es mangels durchgehenden Meeresgürtels nordpolar nicht, dafür gibt die Isotherme als Arktisgrenze ein gutes Bild davon, wie die Landmassen sommerliche Erwärmung mit sich nach Norden bringen:

  1. Zur Geografie der Arktis der Wikipedia-Artikel
  2. Ein Bild der Isotherme ebendort

Wo ist die Winterisotherme? Ob die umgekehrt eine kontinentale Abkühlung zeigt? Das wäre zu erwarten!
Interessant ist dazu die winterliche Abkühlung, wie sie als Schneedecke kontinental sichtbar wird:

  1. Schöne Animation der Schneedeckung per gif
  2. Eine Januar-Isotherme zeigt es auch
  3. Ein Märzbild von 1946 - die Ostküstenkälte im Vergleich mit der wärmeren Westküste zeigt den Drall
  4. Die drehende arktische Eiskappe von 1982-2007

Der Golfstrom privilegiert Europa sehr, mit Wärme vom Pazifischen über den indischen Ozean. Umgekehrt bringt allein dessen tiefe Rückströmung nördliche Polkälte zur Antarktis:

  1. Ein schönes Bild der sogenannten "Thermohalinen Zirkulation

Sphären

Der Globus als Lichtgestalt

Absehend zunächst von der festen Erde, von Wasser- und Lufthülle drum herum gibt es den Globus als permanentes "Auge" im All, dauernd der Sonne zugewandt, um diese kreisend. Eine Kugel mit beleuchteter und finsterer Hälfte, zu- und abgewandt - Licht und Finsternis.

Nicht nur!: wie Walther Bühler in seinem Büchlein "Nordlicht, Blitz und Regenbogen, Metamorphosen des Lichtes" erläutert, gibt es einen ganzen Licht-Farb-Organismus. Was er darin für einen ganz bestimmten Zeitpunkt und Blickwinkel beschreibt (Die Erde zwischen Tag und Nacht. Nördliche Halbkugel zur Frühlings-Tagundnachtgleiche um 6 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit. Sonnenaufgang auf dem Meridian von Stargard (15°. östlicher Länge), Wendekreis des Krebses und Polarkreis sind eingetragen.), gilt grundsätzlich immer:

  • Der Sonne zugewandt ist die Gewitterzone, bis zu 49° um den Äquatorpunkt des Sonnenzenitstandes herum Regenbogenfrei.
  • Ab 49° beginnt an dieser inneren "Iriszonengrenze" die Regenbogenzone mit der Meso-Iride beim 70°-Ring und endend an der Tagnachtgrenze mit potentiell voll zum Halbkreis erhobenen Regenbögen.
  • Bei 90° ein Sonnenauf- bzw. -untergangs-Ring rund um den Globus.
  • Dahinter folgen unterscheidbar geliederte Stufen der Dämmerung bei 6°, 9°, 11° - bis mit 17° der Sternenhimmel sichtbar wird und bei 24° der allerfernste Tagesschimmer verschwunden ist.
  • Je an den magnetischen Polarkreisen maximal sind dann Polarlichter möglich - als direkte Antwort auf Sonennaktivität flutende Lichtfarbigkeit auf die Nachtseite bringend.

Die konkrete Wirklichkeit ist freilich differenzierter, komplizierter:
Die Gewitter hinken zusammen mit der Erwärmung dem Sonnenlauf hinterher, da verschiebt sich das Schema. Das Spiel der Dämmerungsfarben ist anders in Ost und West - einerseits senkt Nacht sich über erwärmte und aufgewirbelte Lüfte, andererseits weckt Licht die nachtberuhigte und gekühlte Atmosphäre. Winterlicht verhält sich anders als Sommerhelligkeit...

Der Globus als Luftgestalt

Absehend zunächst von der festen Erde mitsamt ihren Meeren gibt es die Atmosphärengestalt, von der einen Seite dauernd Sonnenbeleuchtet und -erwärmt, auf der anderen Seite abgekühlt von des Weltalls Finsternis.

Davon ist die Lufthülle bewegt, das ist am bekanntesten sichtbar in der Quellwolkenbildung. Dramatisch zeigen Taifune oder Hurricanes die Folgen des Wärmeauftriebes. Segler brauchen Aufwinde und kennen ihre geologischen und meteorologischen Bedingungen: vielfach verkompliziert sind die Luftbewegungen in Erdnähe, jeder Hang und Hügel wirkt.

In großer Höhe kann man die gleichmäßigsten Bewegungen erkennen: die Jets z.B. (Wer mag, kann sich hier sehr lehrreich von Link zu Link hangeln;-))
Auch unsere atmosphärischen Nachbarplaneten zeigen - eben von außen betrachtet - gleichmäßige Bewegungen, äquatoriale und zirumpolare Strömungen und Gegenströme, Wirbel dazwischen...

  1. Leicht kann man verstehen, dass eine in sich ja bewegliche Lufthülle sich nicht einfach mit der starren Erde mitdreht, sie wird womöglich aus Trägheit zurückbleiben - weit außen, wo es am geschwindesten gehen müsste, am meisten, tief unten, wo Bewuchs und Gebirge die Luft quasi fangen, da muss sie mit: so gibt es unterschiedliche Geschwindigkeiten nach Höhe. Und in Folge Verwirbelungen zwischen Höhenschichten.
  2. Weil sich keine Walze dreht, sondern eine Kugel, gibt es auch nach Orten Unterschiede: Polnah führt die Drehung der Erde zu wenig Dynamik, am Äquator muss die Lufthülle mit einer Tagesumdrehung mehr als den Erdumfang umrunden! Auch das führt zu Verwirbelungen, zwischen unterschiedlichen Breitenströmen.
  3. Die tägliche Erwärmung und nächtliche Abkühlung sorgt mit ihrem Auf- und Abtrieb für weitere Bewegung, diesmal als jahreszeitlich verschieden wandernde Quelle.

Diese drei fundamentalen Dynamiken sind dann durch geographische Sonderheiten vielfach differenziert.

  1. Atmosphärische Zirkulation
  2. Polarwirbel