Zonenzeit / Sonnenzeit / temporale Zeit

Sommerzeit oder nicht Sommerzeit - das sei die Frage?

Nun, "falsch" (im Sinne von unnatürlich) ist unsere Uhrzeit fast immer, fast überall - insofern ist es völlig egal, welche der beiden wer wählt. Nicht egal ist gewiss für viele Lebensbereiche die plötzliche Verschiebung der Rhythmen, die mit den Wechseln je hin und zurück einhergeht.

Aber betrachten wir die Zeit und Uhrzeit ein wenig, wie sie sich entwickelt haben!
Denn die Unterteilung der fließenden Zeit in Stunden gab es nicht immer in der uns heute gewohnten Form.

Zunächst wurde der Tag als sonnenhelle Zeit von der Nacht unterschieden per Sonnenauf- und -untergang. Natürlich gab es den Mittag, die Mitternacht wohl eher als unscharfe "Zeitgegend"?

Dann wurden je die Mitten bezeichnet, der helle Tag zwischen Auf- und Untergang der Sonne bekam mit "Mitte des Vormittags" und "Mitte des Nachmittags" recht überschaubare Viertel. Siehe auch bei NAB.
Eine weitere engere Teilung erst führt über das Empfinden des (zwar geteilten) Ganzen hinaus zu empfindbaren Teilen, welche je als einzelne gleiche Ganzheiten ablaufen.

Zwar waren gleichlange äquatoriale Stunden manchen antiken Astronomen schon früh bekannt, im Alltag verwendet wurden bis zum Mittelalter jedoch ausschließlich die jahreszeitlich verschiedenen temporalen Stunden. Mit der Sonnenuhr lassen sie sich unschwer anzeigen. Die gewöhnlichen mechanischen Uhren wurden mit Aufwand saisonal angepasst oder erhielten in aufwändiger Mechanik Sonderzifferblätter wie z.B. in Bern, Prag oder Ulm.
Äquatornah ist der Unterschied zwischen äquatorialen und temporalen Stunden gering, in europäischen gemäßigten Breiten doch erheblich, zu den Polarkreisen hin wird er immer größer bis dahin, dass dort angekommen temporale Stunden unsinnig werden: Wer wollte nah der winterlichen Polarnacht die kürzeste Tageszeit noch zwöfteln! Jenseits der Polarkreise gibt es nur noch in der Nähe der Tag-und-Nachtgleichen überhaupt teilbare Tage, an den Polen selbst gar keine...

Egal, ob nach alten, ungleichen, temporalen oder nach neuen, gleichförmigen Stunden - die Glocken zum Mittag läuteten immer nach Sonnenzeit und also in gleichmäßigem Lauf um den Globus herum, immer irgendwo!

Da die Uhrzeit mit zunehmender Mobilität auch für Vereinbarungen in größeren Gebieten dienen sollte, wurden erste Zeitzonen nach Regionen festgelegt, so gab es z.B. die Berliner, Hamburger, Münchener, Prager, Berner und Genfer Zeit. Vor 1895 mussten Fährenfahrende auf dem Bodensee bei einer kompletten Rundfahrt 5 mal die Uhr verstellen! Erst Mitte des 19. Jahrhunderts etwa wurden die Zeiten in Europa je Länderweise festgelegt, zum Ende dann setzte sich die MEZ durch.
Mit den Zeitzonen läutet die Welt blockweise. Teils weicht die Zonenzeit erheblich von der lokalen Sonnenzeit ab: im östlichsten Norwegen bzw. im Westen Spaniens führt die Nutzung der MEZ zu 1 bzw. 1,5 Stunden Differenz. Es gibt Orte auf der Welt, wo der Unterschied mehr als 2 Stunden beträgt - da ist die "böse" Sommerzeit möglicherweise ein rettender Tropfen auf den heißen Stein?;-)

Am Äquator ist eine mittlere Zeitzone im Sinne von 1/24 des Erdumfangs etwa 1669 km breit, diese entsprechen einer Stunde Sonnenzeit. Alle 27,83 km also gilt für die Sonnenzeit eine Minute Unterschied. Auf der Breite von z.B. Freiburg geht die Sonnenuhr bereits alle 12,5 km eine Minute anders, bei Spitzbergen schon alle 6,7 km! Je an den Polen wird es paradox, wer sich dort um sich selber dreht, kann in dieser einen Drehung alle Uhrzeiten haben;-)

Sonnenzeit / Zonenzeit

Zwei Uhren-Apps fand ich, die vielleicht z.B. für Gärtner interessant sind?
Unabhängig von Winter- oder Sommerzeit könnte man sich damit nach der Sonne vereinbaren!

Eine zeigt die wirkliche Sonnenzeit am Ort.
Basis der MEZ ist der Längengrad 15°, Görlitz an der polnischen Grenze liegt genau darauf. Z.B. hier in meinem Wohnort Medewege bei 11,4° östlicher Länge haben wir also generell eine Differenz von 3,6°. Jedes Grad macht 4 Minuten Zeitdifferenz zur Zonenzeit, hier also sind das gut 14 Minuten (3,6*4´=14´44´´).
Dazu kommt dann noch die Abweichung durch die Exzentrizität der Erdbahn und die Neigung der Erdachse, zusammenfassend per „Zeitgleichung“ berechnet. Die verändert sich nach Jahreszeit und kann mit ihrem herbstlichen Extrem (4. November) von +17 Minuten die lokale -14´44´´ medewegische mehr als ausgleichen. Oder aber sich im frühen Frühjahr (12. Februar) mit dem gegenteiligen Extrem von -15 Minuten auf eine halbe Fehlstunde ausdehnen.

Eine andere zeigt den Sonnenstand sowie Auf- und –untergang auf einem 24.Stundenzifferblatt, nennt auch die Sonnenauf- und -untergangszeiten.

Die beiden gibt es hier:
Solar Time“ – Diese App nennt nach Klick auf die Zeit auch die Komponenten der Berechnung:

  1. „Mean solar time“, das ist die am Ort gleichbleibende lokale Abweichung von der Zonenzeit, für z.B. Hamburg auf etwa 10° östlicher Länge bedeutet das 5° Differenz zur Basis der MEZ=15°. Und jedes Grad Abweichung entspricht 4 Minuten – in Hamburg ist also im Schnitt je 5*4=20 Minuten später Mittag, als die MEZ vermuten lässt.
  2. „Solar Equation“ oder auf Deutsch „Zeitgleichung“.
  3. „Daylight saving“ , das ist einfach die Sommerzeit – falls es eben eine gibt.

Sun Clock“ – Nennt auch die Sonnenzeit, zwar nicht mit den Details. Dafür zeigt sie optisch mit den Markierungen für Sonnenaufgang/Mittag/-untergang schön die jahreszeitliche Helligkeitsrealität.
(Mit geometrischem Gefühl könnte man rein per Augenmaß bereits die temporalen Stunden als Zwölftel je des hellen und des dunklen Tagesteils ahnen…)

Ich würde es begrüßen, wenn diese Apps auch als Widget funktionieren könnten, damit die Sonnenzeit unmittelbar parallel zur Zonenzeit sichtbar bliebe.
Und es sollten Wecker wie auch alle Kalenderfunktionen wahlweise darauf zugreifen können: so dass man sich frei auch nach Sonnenzeit vereinbaren könnte!

Temporale Zeit

Dafür hätte ich gerne eine App. Dabei würde ich ein solches Zifferblatt für den ganzen 24-Stundentag nutzen, wie es die Sun Clock zeigt - das visualisiert unmittelbar die winters kleinere helle und sommers größere Tagzeit.
Und die Stundenmarkierungen sollten unterschiedlich sein, wie in den Beispielbildern skizziert: weil es auf die qualitative Teilung des Ganzen ankommt (Mitte, Hälftenmittelung, Drittelung). Weil eine Reihung von gleichen Teilen als Folge das nur als Irritation erleben lässt (fast als Fehler), wenn nach 18 Uhr die Stunden dann kürzer oder länger sind, mit anderer Geschwindigkeit weitergehen.
Im Interesse heutigen Zeitempfindens würde ich die Umschaltpunkte bei 6 und 18 Uhr setzen, genau. (Zwar früher hat man mal von Sonnenaufgang als 0 bis Untergang als 12 gezählt, dann nachts weitere 12.)
Im oberen Beispielbild habe ich in Anlehnung an unser aktuelles Empfinden die temporale Zeit für den Sonnenaufgang auf 6:00 gesetzt, die des Sonnenuntergangs auf 18:00. Im Bild links ist die andere Möglichkeit visualisiert, sind wie vormals üblich die helle wie die dunkle Hälfte eines 24-Stundentages je von 0-12 gezählt.

Mit dem Entwickler der beiden Apps bin ich im Gespräch - eine neue App zu temporalen Stunden zu schaffen oder die "Sun Clock" entsprechend der Beispielbilder zu erweitern?

Am Ende hätte ich die drei Zeiten (Zonenzeit / Sonnenzeit / temporale Zeit) gerne als Widget parallel sichtbar.
Und es sollten Wecker wie auch alle Kalenderfunktionen wahlweise darauf zugreifen können: so dass man sich frei auch nach Sonnenzeit oder temporaler Zeit vereinbaren könnte!
Warum sollte es nicht möglich sein, Schulbeginn wie Busfahrzeiten nach temporaler Zeit richten?

Grundsätzlich scheint mir zwar eine ganz andere Bezeichnung der temporalen Uhrzeit angemessen: nicht als fließender Ablauf von vielen kleinen Einheiten; als gezählte Miunten - sondern als Annäherung oder Entfernung an Teilungspunkte des großen Ganzen. Vielleicht könnten in einem kleinen Fenster die Viertelstundenbrüche je aufgehen, in die Mitte rücken und dann wieder untergehen? Ideen gesucht!