Die plastisch – organische Baumethode

Die Geschichte beginnt mit Wolfgang Zimmer, der sein Möbelhaus an den Nagel hängte und in seinen späteren und der Alanus-Hochschule ersten Jahrgängen dort Bildhauerei studierte. Die Fertigkeiten und Erkenntnisse daraus für den Bettbedarf seiner Patenkinder angewandt ergaben dann Vorläufer einer neuen Baumethode. Diese zu entwickeln bot Wolfgang Zimmer ein Aufbaustudium in seiner Bremer Bildhauerschule an.
Wolfgang Zimmer starb im Herbst 1989.

1987 begannen zwei Alanus-Bildhauer das Aufbaustudium in Bremen, Hans-Georg Schmitz und Peter Böhlefeld, sie schufen eine Reihe Möbelformen von der Wiege bis fast zum Sarg. Später kam Peter Zimmer aus der Architekturabteilung dazu, wenige weitere Studenten nahmen zweitweise teil, ohne künstlerisches Vorstudium. Es gab Wiegen- und Bettbaukurse für Laien.

Dabei baute der Herr Selber eine Wiege ohne eigenen Bedarf, sie wanderte per Freund- und Patenschaft über die Ostberliner Christengemeinschaft nach Dresden zu Artur Rost. Dort setzte sie viel in Bewegung, die drei Bremer Studenten leiteten Baukurse, eine Kindergarteninitiative plante den plastisch-organischen Ausbau privater Räume und der Wunsch nach eigenem Lernen und also einem Seminar entstand.

Im Herbst 1989 ging Peter Zimmer ganz nach Dresden, die beiden anderen Bremer Hans-Georg Schmitz und Peter Böhlefeld dann besuchsweise, später teils mit Familie. Bis Ostern 1990 war das Seminar vorbereitet, es gab eine Werkstatt, Holz und Werkzeug. Mit-Dozenten für Eurythmie und Sprachgestaltung waren dabei.
Neun Dresdner hatten ihre Erwerbsberufe aufgegeben und sich zunächst für ein Jahr der Kunst zugewandt. Neben Artur Rost waren das vor allem Sebastian Grohs, Reinhard Pontius, Zbyscek Ceglowski, Dietmar Zaubitzer, Horst Angermann, Wolfram Sammler, Alexander Morawitz. Außer dem Grundlagenstudium haben alle als Copilot einen der zahlreichen Laienbaukurse mitgeleitet und zum Abschluss ein Möbel neu entwickelt. Die ersten Räume der Waldorfschule wurden plastisch gestaltet.
Dann war das Jahr zu Ende, dank den Aufträgen von Kindergarten und Arztpraxis in Radebeul für komplette Innenraumgestaltung gab es für alle ein weiteres Jahr Arbeit und quasi ein praktisches Seminarjahr dazu. Das leitete Peter Zimmer vor Ort, die Bremer arbeiteten einige Möbel von dort aus dazu.

Sebastian Grohs hatte derweil einen Werkstattversuch in Greifswald begonnen und von dort einen Auftrag vom Schweriner Waldorfkindergarten bekommen. So begann im Frühsommer 1992 dort in Medewege eine Bauzeit für ihn und Peter Zimmer, die beiden Bremer arbeiteten teils mit, drei von den Dresdnern auch. Im Herbst zog Sebastians Werkstatt komplett dort hin.
Die intensive Kurstätigkeit setzte sich nun vor hier fort, und die meisten Großaufträge der Folgejahre wurden von hier bedient, beides häufig mit Hilfe von Dresdner und Bremer Kollegen.

Die Dresdner gründeten in kleinerer Besetzung eine neue Werkstatt, bauten weitere Kindergärten in der Umgebung aus und gestalteten an der Waldorfschule mit.

Ab 1994/95 gaben viele der Runde diese plastisch-organische Bauart auf, die beiden Bremer Hans-Georg Schmitz und Peter Böhlefeld begannen wie Sebastian Grohs aus Schwerin an Waldorflehrerseminaren eine neue Ausbildung, einige Dresdner gingen in Bereiche ähnlich ihren ehemaligen Erwerbsberufen, Artur Rost ging nach Dornach zum Goetheanumsaalbau und weiter zum Berg Atos etc., Zbyscek Ceglowski machte freie Seminare zu Architektur und Therapie mit, Reinhard Pontius ging einerseits ins Vollplastische und gründete eine eigene Werkstatt, Alexander Morawitz ist wohl bis heute am Waldorfkindergärtnerseminar in Dresden tätig.

Zunehmend allein in Schwerin ging die Entwicklung ungebremst weiter, das Angebot an Kurs-tauglichen Möbeln wurde immer größer, immer mehr Erwachsenenmöbel waren gefragt, der Sarg als Metamorphose der Wiege entstand und Treppen wurden in der nun „Bettlerei“ genannten Bauart geschaffen – teils noch mit urlaubenden ehemaligen Kollegen, teils mit Wandergesellen oder fähigen Kurslern.
Die typischen 12tägigen Kurse allerdings kamen seltener zustande, mehr und mehr Bauwillige kamen einzeln zu eigenen Zeiten und bauten neben der Auftragsarbeit her.
Um 2001 waren eigentlich alle Möbelarten entwickelt, auf irgendeine Art „gebettlert“ worden.
Heute betreibt Peter Zimmer noch seinen Wiegenverleih, vermittelt Kinderbetten und leitet gelegentlich Kurse, meist „Einpersonenkurse“.

Schwerin, Medewege, 11.12.2009